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Alles wird anders.

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Alles wird anders.

Was stellen Sie sich denn unter einem Bestatter vor?
Eine Bestatterin?
Oder einen Oben geschlossenen, mit einem Schlips zugeknüpften Schwarzbefrackten?

Kann sein. Beides.
Kann auch nicht sein.
Kommt vielleicht auf die Gegend und die Gelegenheit an.

Unbestritten ist allerdings, dass sich in den wenigen Jahren, seit der Totengräber zum Bestatter zum modernen Dienstleister avanciert, sich eine Menge getan hat, die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen ändern sich fast täglich, die Anforderungen steigen mit jedem Sterbefall.
Der Zeitraum ist überschaubar, als es ausreichte, mit einer Schaufel zwei Kubikmeter Erde umschichten zu können, ein Schriftstück unterschreiben zu lassen und die Friedhofsglocke in Gang zu bringen. Zur rechten Zeit wohlgemerkt. Danach war gemeinsame Leichenschmaus angesagt.
Von all dem konnte man leben, nicht besonders gut, aber man konnte.
Das war einmal.

Oder besser – das reicht nicht mehr.

Seit sich die Familie nicht mehr um „ihre“ Verstorbenen kümmert, seit die Kirche mit der Totenandacht manchmal überfordert und der letzte Totengräber verstorben ist, seit genau dieser Zeit bildet sich eine Berufsgruppe heraus, die eher einem Full-Service-Dienstleister entspricht.

In unserer Gesellschaft ist der Tod kein Phänomen und schon gar kein Tabu-Thema, wie gern behauptet wird. Gut gekühlte Bierflasche öffnen, in warmen Pantoffeln herumschlurfen, Glotze anstellen – und siehe da, in jedem zweiten Film wird gemordet, gelogen und betrogen und schlussendlich gestorben – jeder Game-Boy hat Killerspiele kostenlos im Programm, 3 Ebenen kann man gebührenfrei verfolgen, nachstellen und töten. Dann muss Kohle rübergereicht werden – in den Einheitsnachrichten sterben Tiere und Menschen im Tausenderpack. Also, nix mit Tabu.
Wenn aber die Sprache auf den eigenen Tod kommt – ja, dann. Dann sieht‘s eng aus.
Der eigene Tod oder der von nahen Verwandten und Freunden, den schiebt man schon gern vor sich her. Dafür gibt es später den, der schon immer die Stätte besorgte. Richtig – den Bestatter.

Dessen Metamorphose ist noch nicht abgeschlossen, noch lange nicht.
Berater, Ein- und Verkäufer, Lagerarbeiter, Bürofachkraft, Gesetzeskenner, Grafiker, Fotograf, Musikliebhaber, Computer- und Neue-Medien-Experte, Modefreak, Quasi-Schriftsteller, Sprecher und Redner, Vermittler, Buchhalter, Versicherungsmakler, Vorsorgedienstleister, Trauerbegleiter – gibt es eigentlich etwas, auf dem er oder sie nicht bewandert sein muss?

Es wird tatsächlich alles anders und hört „Beim-Leben-Davon“ nicht auf.
Wundern Sie sich also nicht, wenn der Ihnen gegenübersitzende All-Inclusive-Dienstleister auf Ihre Frage „Was sollen wir denn bloß für Musik zur Trauerfeier vom Opa spielen?“ antwortet: „Am besten, Lieder die er auf den Tod nicht leiden konnte.“
©Casus. 2014.

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