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Genug klagen.

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Genug klagen kann man eigentlich gar nicht. Über hohe Preise und niedrige Quoten, über reiche Deutsche und arme Zuziehende, über ausscherende Fußballer mit dem hammerharten Kick, über das Wetter und den ausbleibenden Winter. Kurzum über alles. Und nicht erst seit heute. Schon Anton Tschechov ließ Jakov Matveič* über ständige Verluste und ausbleibenden Gewinn klagen.

Heute früh um 5 – ehrlich, zu Nacht schlafender Zeit – ließen die Radiomacher von mdr Info** wieder mal einige Experten zu Wort kommen, die sich dann auch prompt darüber beschwerten, dass in unseren Landen Sozialbestattungen zunehmen, von der Anzahl und ebenfalls der gestiegenen Kosten her.
Diesen Trend können wir bestätigen, auch wenn uns zum Jammern darüber ein wenig die Zeit fehlt. Aber – siehe oben, ganz oben.

Nur im Freistaat Sachsen, unserem Einzugsgebiet, mussten die Sozialbehörden 2013 fast drei Millionen Euro für behördlich übernommene Bestattungen aufwänden. Ganz abgesehen davon, dass das unterm Strich Peanuts sind gegen die Milliarden-Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen, die um die Zahlung des Sterbegelds schon vor vielen Jahren entlastet wurden. Alles fließt, Geld auch. Im Gegensatz zum Wasser fließt Geld allerdings nach oben.

Doch das Problem ist vielschichtig. Es ist nicht nur die zunehmende Armut der unteren und mittleren Bevölkerungsschichten. Vermehrt werden neue Lebensprioritäten gesetzt. Nach mir die Sintflut, Straton von Sardis wird da gern zitiert. Lieber heute das neueste Smartphone als morgen eine beruhigende Baumwurzel. „Nach meinem Tode soll Deukalion meine Knochen überspülen!“***

Hier findet ein Wertewandel statt, der sicher nicht nur in Bezug auf „das Leben danach“ Auswirkungen hat. Auch die Teilhabe am aktuellen gesellschaftlichen Leben tritt hinter die neueste Folge der Lindenstraße zurück. Hitzelsberger und Schumacher tangieren vor Scharon und Mandela. Werteverschiebung oder gar Werteverlust?

Zurück zum Geschäft.
Auch wir haben teilweise viele Monate alte Forderungen an die Leipziger Sozialämter. Vertrösten und Trost spenden sind zwei unterschiedliche Dinge. Vertröstet werden die Gläubiger wohl noch lange in den kommenden Jahren. Ob sie dann aber weiterhin Trost spenden den Bedürftigen, das steht nicht fest. Aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Wer sich heute die Gebeine von Deukalion oder den Ostseewellen umspülen lässt, nimmt seinen Nachkommen den Platz der Ruhe und Besinnung. Was heute verständlich, kann morgen möglicherweise nicht nachvollziehbar sein. Die grüne Wiese verwelkt, wenn sie nicht gepflegt wird.
Es kommt die Zeit!
©casus. 2014

* aus Rothschilds Geige von A. Tschechov
** Link (mdr Info)
*** aus dem Wörterbuch der Antike, ein Epigramm des Straton von Sardis

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