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Selbstverständlich endlich.

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Es war da eine Zeit, da gab es den Internet Browser, und noch ein paar unbedeutende Browser mehr. Alle in Version 1.0.
Das war einmal, in jeder Beziehung. Der Microsoft Browser hat seine Vormachtstellung eingebüßt, andere haben aufgeholt, bieten hier und da innovativ umgesetzte Ideen. Things have changed.
Der Browser der Mozilla Foundation, Firefox, liegt derzeit in stable version 27 vor.
Immer besser, immer schneller, immer sicherer. Olympische Höhen, ganz ohne Epo.

Der Mensch hat Ähnliches vor. Mit sich.
Wir werden größer, stärker, schöner – oder einfach nur perfekter. Wir werden unendlich. Wir werden unsterblich. Glauben wir. Glauben die Transhumanisten. Jüngstes Beispiel: Robert Downey Jr. alias Tony Stark in „Iron Man 3“.
Was hier im Film gelingt, wird das reale Leben hoffentlich verhindern.
Ich will sterben, irgendwann. Wenn meine Kraft nachlässt, wenn ich dem irdischen Größenwahn nichts mehr entgegenzusetzen habe. Dann bestehe ich auf mein Recht zu sterben!
Der Mensch, diese kleine, billige Kreatur, dieses unvollkommene Wesen, schwingt sich in eine Endlosschleife. Unvorstellbar. Grauenhaft.
Dabei ist es doch nur eine Frage der Zeit, eine Frage von vielleicht zwei oder drei Dutzend Jahren, bis das menschliche Gehirn in Bits und Bytes ausgelesen und auf einer Computerfestplatte gespeichert werden kann. Dann lebt der Geist weiter, während der biologische Teil des Menschen längst zu seinem Ursprung zurückgegangen ist. Dann, spätestens dann ist die Kreatur ohnehin überflüssig. Wozu mit einem anfälligen Körper hantieren, der Ressourcen im ständigen Kampf gegen Viren und sonstige schädliche Einflüsse verschlingt, der einfach nur unzulänglich und unvollkommen ist.
(Die These des Gehirnscannens stammt von Ray Kurzweil, dem derzeitigen Leiter der technischen Entwicklung bei Google Inc.)
Die Süddeutsche titelte vor einiger Zeit „Die vielleicht gefährlichste Idee der Welt“ und war doch nicht abgeneigt, den diversen Ideen der Neuro-Spinner breiten Raum einzuräumen.

Ob man es nun lebensunwertes Leben, Euthanasie, Humanitas+ oder Transhumanismus nennt; es läuft immer auf das Gleiche hinaus. Auf die wohl gefährlichste Idee der Welt: Die Symbiose aus Mensch und Maschine, die Verschmelzung von Fleisch und Computer. Heute noch Herz-, morgen vielleicht Hirnschrittschmacher. Heute noch künstliche Hüfte, morgen schon künstliche Intelligenz.

An zwei von drei Tagen sitzen über 70-, manchmal 80-jährige Frauen oder Männer in meinem Büro, die ihren Lebenspartner verloren haben. Nicht selten sind auch die letzten Freunde und gleichaltrige Bekannte längst mit dem Fährmann übergesetzt. Familie? – Fehlanzeige. Kinder und Enkel leben weit verstreut, kommen vielleicht ein letztes Mal in die alte Heimat oder lesen schlimmstenfalls die Todesnachricht auf dem Tablet, weil WLAN am Strand in der Südsee vorhanden ist.
Wie sollte ich diesen Menschen vermitteln, dass sie jetzt ewig leben werden? Ewig allein. In einer immer fremderen Welt. Ein ständiges Kommen und Gehen, Aufbauen und Einreißen, Schaffen und Vernichten.

Nein. Der Mensch ist unvollkommen endlich.
Er hat ein Recht zu sterben.
Wann immer er es möchte.
Es gibt guten Grund, ihm dieses Recht nicht abzustreiten.
Er kommt, wenn andere es wollen.
Er geht, wann und wo er es möchte.
Es ist sein letzter Wille.
(c)casus. 2013.

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